„Ich will zur schönen Sommerzeit ins Land der Franken fahren“
heißt es im Frankenlied. Doch eigentlich ist es egal, ob Frühling, Sommer,
Herbst, oder Winter. Denn Franken ist zu jeder Zeit eine Reise wert. Zudem hat
Franken so viel zu bieten, dass ein einziger Sommer zum Kennenlernen auf gar
keinen Fall ausreicht. In Franken gibt es nicht nur jede Menge Städte, von
denen jede einzelne eine geballte Ladung an geschichtlichen Highlights bietet,
sondern auch das fränkische Seenland und mehrere Mittelgebirge wie die
fränkische Schweiz, das Fichtelgebirge und die Rhön.
Doch das Herz der Franken liegt mitten im Steigerwald. Ein
paar Jährchen wohne ich jetzt schon hier am Rande des Steigerwalds, nur eine
halbe Autostunde von Nürnberg entfernt. Trotzdem habe ich mich bisher nicht auf
den Weg gemacht, dieses Herz zu suchen. Aber jetzt will ich es wissen.
Sportskanonen würden wahrscheinlich sofort von der Haustür aus mit dem Fahrrad
starten. Allerdings kann man auch mit dem Auto fahren.
Deshalb ziehe ich dieses
Beförderungsmittel vor. Ich steige also ins Auto und tangiere kurze Zeit darauf
Schlüsselfeld, einen Ort, der nicht nur strategisch sehr günstig zu allen
Ausflügen liegt, die rund um den Steigerwald unternommen werden können, sondern
auch verkehrstechnisch sehr gut über die Autobahn angefahren werden kann. Zudem
ist Schlüsselfeld selber ein sehenswerter Ort mit einer barocken Marienkirche,
die viele Touristen anzieht. Außerdem gibt es am Marktplatz einen Jakobsbrunnen
mit Jakobsmuschel, aus dem sich die Pilger erfrischen können, die auf dem
fränkischen Teil des Jakobswegs unterwegs sind.
Es ist einer der drei Orte, die das sogenannte
Drei-Franken-Eck bilden. Das Besondere: Jede
Ortschaft liegt in einem anderen Regierungsbezirk. Dazu gehören neben
Schlüsselfeld in Oberfranken auch noch Geiselwind in Unterfranken und
Burghaslach in Mittelfranken. Auf meiner Fahrt passiere ich zwei dieser Orte.
Der Drei-Franken-Stein – Einheitssymbol für drei Regierungsbezirke
Ein paar Kilometer weiter kommt auch schon Burghaslach. Dahinter
biege ich ab. Mein Ziel ist inzwischen ausgeschrieben: Der Drei-Franken-Stein. Nein,
da es gibt keine Ähnlichkeit mit Dr. Frankenstein aus der englischen
Schauergeschichte. Der Drei-Franken-Stein heißt vielmehr so, weil er genau an
der Stelle sitzt, an dem Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken
aneinanderstoßen, im Zentrum des Drei-Franken-Ecks. Nach einigen Fahrminuten
komme ich an meinem Ziel mitten in sehr viel Landschaft an. Bei den Parkplätzen
habe ich die freie Auswahl. Dort, umgeben von Natur, steht er nun: Der riesige Naturstein aus
Muschelkalk, mit einer Breite von 2,80 m und einem Gewicht von 2,5 Tonnen. Hier
also schlägt das Herz Frankens. Ein wenig erinnert er mich an den Hinkelstein
von Obelix. Die äußere Form wirkt sehr ähnlich. Gleichzeitig sieht er auch aus wie ein Stein
aus einer anderen Zeit, mit seinem gepflastertem Rund außen herum und den
sternenförmig auf ihn zulaufenden Steinwegen. Ich springe neugierig aus dem
Auto und in wenigen Sekunden eile ich von Unterfranken nach Oberfranken und
Mittelfranken. Es macht Spaß, einfach mal so von einem Regierungsbezirk zum
anderen zu wechseln. Dabei kann ich die im Stein eingemeißelten Wappen
betrachten. Außen herum sind mehrere
Infopavillons angeordnet, die Informationen über die Regierungsbezirke
bereithalten. Doch auch wenn das
Grenzenhopping lustig erscheint, so hat der Stein doch einen politischen
Hintergrund. Als nämlich die Franken im
Jahr 1806 bayerisch wurden, wollten die Bayern dem Namen „Franken“ keinen Platz mehr auf der Landkarte
zubilligen. Das gefiel den Franken allerdings nicht. Sie widersetzten sich und
bildeten aus den bestehenden Verwaltungskreisen die noch heute bekannten
Bezirke Unter- Ober- und Mittelfranken. Damals, im Jahr 1892 setzten sie als
gemeinsames Symbol den Grenzstein, der jedoch sieben Kilometer vom jetzigen
Drei-Franken-Stein entfernt lag. 1972
kam die Gebietsreform und machte eine Aktualisierung des Standorts notwendig.
So zog der Drei-Franken-Stein an den heutigen Standort um.
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Drei-Franken-Stein |
Die magische Energie des Drei-Franken-Steins
Mein besonderes Interesse ruht jedoch auf einem interessanten
Konstrukt, das verspricht, meine NordicWalking Stöcke, - die ich leider nicht
dabei habe – mit besonderer Energie aufzuladen. Ich müsste nur meine Stöcke in
eine Vorrichtung stecken und einen Knopf drücken. Nach nur fünfzehn Minuten
wären dann meine Stöcke mit der Energie des Drei-Franken-Steins aufgeladen und
ich könnte mit richtig guter Laune meine Wanderung fortsetzen. Ich lese die
Anleitung und muss herzlich darüber lachen. Da wird mir schlagartig klar: Das
funktioniert ja wirklich! Sogar ohne NordicWalking-Stöcke! Ja, die Franken
haben nicht nur Herz, sondern dazu auch noch Humor! Mit richtig guter Laune
erkunde ich nun die Gegend.
Manch einen mag die Energie zu einer ausgedehnten Wanderung antreiben.
All diejenigen können von hier aus zu einem Rundwanderweg aufbrechen. Dieser
Drei-Frankenstein-Weg verbindet die drei Regierungsbezirke und die drei Orte
Geiselwind, Burghaslach und Schlüsselfeld miteinander und umfasst rund 40
Kilometer. Am Drei-Franken-Stein kommen Wanderer und Ausflügler gleichsam auf
ihre Kosten. Der Wanderer genießt dabei nicht nur die sanft hügelige Landschaft
des Steigerwalds, sondern unterwegs auch die Gastlichkeit der einen, oder
anderen fränkischen Gastwirtschaft. Doch auch ich möchte meinen Ausflug
kulinarisch ausklingen lassen. Dazu fahre ich zurück über das oberfränkische
Schlüsselfeld, mehrere Kilometer durch Mittelfranken hinüber nach Oberfranken,
wo ich in Pommersfelden kurz nach dem Schloss links abbiege und hinauf zum
„Cafe Kellerhaus“ steuere.
Beim kulinarischen Ausklang ein Glas Federweißer genießen
Dort bestelle ich dann auf der Aussichtsterrasse die
Spezialität des Hauses, nämlich einen Flammkuchen und genieße als kleines
zusätzliches Highlight des Tages die tolle Aussicht auf das Schloss
Weißenstein. Gleichzeitig ärgere ich mich ein wenig, dass ich mit dem Auto
unterwegs bin, denn sonst hätte ich mir gerne einen Schoppen vom regionalen Frankenwein
bestellt. Da sind die Radfahrer und Wanderer eindeutig im Vorteil.
Sinnend betrachte ich das imposante Schloss. Vielleicht
sollte ich mir für morgen eine Schlossbesichtigung vornehmen. Schloss
Weißenstein wurde im frühen 18. Jahrhundert vom Fürstbischof von Bamberg und
Kurfürst von Mainz Lothar Franz von Schönborn erbaut. Das barocke Schloss, das
sich noch immer in Familienbesitz befindet, kann bis Ende Oktober besichtigt
werden. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich das wirklich lohnt. Das Gebäude
besitzt nicht nur ein einzigartiges Treppenhaus, das an Prunk kaum zu überbieten
ist, sondern auch einen Grottensaal, der eine geheimnisvolle Faszination
ausstrahlt. Zusätzlich gibt es extra Gemäldeführungen, die doch sehr zu
empfehlen sind. Wer Kinder hat und diese beizeiten an Kultur heranführen will, kann
sie an einer Kinderführung teilnehmen lassen, die von einer Schülerin
durchgeführt wird.
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Schloss Weißenstein |
Noch einmal gleitet mein Blick über das Schloss und ich weiß:
Ich bin privilegiert, weil ich mich in einer Region von Deutschland aufhalte,
die zu den schönsten dieser Welt zählt. In Franken.